#127 – Die Grenzen der Optimierung sind erreicht!

Unser Wirtschaftssystem zwingt alle Teilnehmer zur Steigerung der Effizienz. Jedes Unternehmen versucht eine ständige Optimierung und Verbesserung zu erreichen. Dies ist ein ständiger Wettlauf und wer hier nicht mitmacht, der verschwindet. Also sind alle Unternehmen auf ständige Veränderung fokussiert. Aus dem Fahrsicherheitstraining habe ich die Erkenntnis mitgenommen: Wo ich hinschaue, da fahre ich hin. Wenn beim Verlassen der Fahrbahn ein Baum im Weg steht und ich diesen anschaue, dann werde ich diesen auch treffen!

Jedes System lässt sich mit nachfolgendem Bild beschreiben. Hierbei geht links etwas in das System hinein (Material, Energie, Information) wird im System verändert (Wertzuwachs) und rechts kommt etwas aus dem System heraus.

Systemoptimierung

Die wirtschaftliche Formel eines jeden Systems beschreibt die mathematischen Gleichung:

Gewinn = Umsatz aus Einnahmen – Gesamtkosten

Oder etwas genauer:

Gewinn= Verkaufte Produkte x Verkaufspreis – (Personalkosten + Sonstige Kosten)

Der Gewinn muss immer steigen. Jetzt lässt der mathematische Zusammenhang nur wenige Maßnahmen zu.

1.) „Die verkauften Produkte erhöhen“

Hierzu muss die Auslastung erhöht werden und die Produktion gesteigert. Das kostet Geld. (Investitionen). Außerdem muss der Markt diese Verkaufsmenge vertragen, sonst sinkt der Preis.

Wir wissen ja alle: Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage sinkt der Preis.

2.) „Verkaufspreis erhöhen“

Das funktioniert nur ohne Konkurrenz (Monopol, Preisabsprache, Erster im Markt) oder mit hochinnovativen Produkten, welche in ihrem Markt einzigartig sind. . (Siehe Apple)

Auch diese Strategie kostet viel Geld. Innovation ist teuer, man muss etwas wagen (Risiko) und man muss bereit sein zu scheitern.

Wir stellen hiermit fest:

Jede Steigerung der Einnahmen ist also in jedem Fall mit hohen Kosten verbunden.

Schauen wir uns die Möglichkeiten nach dem Minuszeichen an.

3.) „Sonstige Kosten reduzieren“

Hierzu gehören Maßnahmen wie: Den Einkauf optimieren, bessere Konditionen aushandeln oder den Anbieter der Ausgangsstoffe ändern. Dafür sind die Einkäufer zuständig und die haben in den letzten Jahren ihren Job recht gut gemacht. Weitere Optimierungen sind hier nur begrenzt möglich.

4.) „Personalkosten reduzieren“

Die einfachste Möglichkeit und auch die kostengünstigste. Man schmeißt 10% der Belegschaft raus was die anderen 90% so verunsichert ,dass sie gleich 10% mehr leisten.

Die übrig gebliebenden 90% leisten jetzt 99% der alten Mannschaft, wir haben aber 10% gespart. Da bleibt unter dem Strich eine Steigerung obwohl eine Lücke bleibt. (99%)

Mitarbeiter sind nicht dumm. Gruppen haben die Kraft sich zu organisieren, wenn man sie nur lässt. Hier gilt das Zitat von Napoleon:

„Es gibt keine schlechten Mannschaften Marschall es gibt nur schlechte Offiziere“

In jedem großen Unternehmen gibt es deshalb jedes Jahr neue Pläne für Personalabbau.

Das ist die einfachste Maßnahme die einem Manager (nicht einer Führungskraft, denn eine Führungskraft ist etwas ganz anderes als ein Manager) einfällt!

Alle anderen Maßnahmen: Innovation, bessere Produkte, Verkaufssteigerung oder Steigerung der Produktion sind mit Risiko und enormen Kosten verbunden. Vor allem ist er Ausgang dieser Maßnahmen ungewiss.

Ein wichtiger Punkt darf hier nicht vergessen werden. Wir leben heute im Überfluss.

Wir haben alles was wir brauchen und in beliebiger Menge. Schauen wir uns nur einmal im Supermarkt um, wieviel verschiedene Sorten Zahnpasta es gibt. (Oder Bier, oder Wein, oder Brot oder oder)

Ob wir uns das leisten können, ist eine andere Frage, aber es ist alles in beliebiger Menge vorhanden. Die Zeit des Mangels ist vorbei. Das macht die Steigerung des Umsatzes immer schwieriger und teurer.

Die einfachste Umstellung der Gleichung lautet deshalb:

Steigender Gewinn = Sinkende Personalkosten.

Da braucht man keine technische Vorbildung und kein Wissen. Das kann jeder! (CEO kann eigentlich jeder)

So werden seit Jahren alle Systeme optimiert. Dadurch sind die, welche diese Entscheidung fällen immer reicher und die, welche im System arbeiten, immer ärmer geworden.

Ist mathematisch eigentlich auch klar. Wenn der Gewinn steigt, das Personal sinkt, bleiben einige auf der Strecke. (Arbeitslos) Da aber für diese Menschen wiederum die bezahlen, welche noch Arbeit haben, müssen diese immer ärmer werden.

Nach einer Studie von Oxfam besitzen heute die 85 reichsten Menschen der Welt soviel, wie die 3,5 Milliarden ärmsten Menschen der Welt zusammen!

Vor wenigen Jahren waren es noch 300 Menschen.

Bald werden es 40 Menschen sein, dann 20, 10, 1?

Das System läuft optimal. Zumindest für diese 85 Menschen!

Aber überall merken wir die Grenzen dieser Optimierung. Ziel ist nur Gewinn, Gewinn um jeden Preis.

Die starke Reduzierung des Personals macht das System instabil. Das Ende der Personalreduzierung ist erreicht, wenn nur noch ein Mensch das System am Laufen hält. (Rotes Männchen im Bild)

Geht dieser Mensch in Urlaub, ist da keiner mehr. Ist dieser Mensch krank, ist da auch keiner mehr.

Das haben wir ja bei der Bahn schon erlebt. Aber man kann es täglich erleben. Anfragen bleiben liegen, weil der einzige Mensch für die Bearbeitung gerade in Urlaub ist. Service findet nicht mehr statt, weil von den 2 Spezialisten einer krank und der andere für Wochen ins Ausland verkauft wurde. Ist tatsächlich mal Sommer, platzt auf der Autobahn die Fahrbahn auf. Die Klimaanlagen der Bahn versagen den Dienst und im fortschrittlichsten Land der Welt, steht der fortschrittlichste Zug der Welt in der Sonne.

Zu Tode optimiert für einen höheren Gewinn.

Wohin ich schaue, dahin fahre ich auch!

Ist das Ziel eines Unternehmens nur Profit und Shareholder Value? Ist ein Unternehmen eine Gewinnmaschine?

Oder erfüllt ein Unternehmen einen Zweck für seine Kunden? Löst es ein Problem des Kunden oder verbessert dessen Lebensbedingungen?

Letzteres ist der Fall. Wer keine Bedürfnisse der Kunden mehr zufriedenstellt, der verschwindet.

Der Kunde ist aber ein Mensch! Menschen kaufen bei Menschen denen sie vertrauen!

Wir müssen also den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen. Den Kunden und auch die Mitarbeiter.

Henry Ford hat schon gemerkt, dass seine Arbeiter auch die sind, welche seine Autos kaufen.

Die Systemoptimierung sägt den Ast ab, auf dem es sitzt.

Man redet vom Fachkräftemangel (ein Märchen) und demographischen Wandel, aber ausgebildete junge Menschen werden nicht eingestellt, nicht übernommen oder bekommen nur einen befristeten Vertrag.

Vertrauen sieht anders aus!

Die Optimierung des Systems hat über Jahre dazu geführt, dass erfahrene, gut ausgebildete Menschen übrig geblieben sind. Diese gehen aber demnächst in den Ruhestand. So eine Position kann man nicht gleichwertig mit neuen Leuten besetzen und erwarten, dass es so weiter läuft wie bisher. Diese neuen Menschen müssen erst auf ihrer Lernkurve nach oben klettern.

Schauen wir uns doch mal um. Das Tal der Ahnungslosen wird immer größer.

Die Grenzen der Optimierung sind an vielen Stellen erreicht, wo sie überschritten sind, sehen wir abends in der Tagesschau und schütteln den Kopf.

 

Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung.